Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen

Die Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen des Daimler-Konzerns werden nachfolgend erläutert. Eine Quantifizierung dieser Risiken und Chancen ist in Tabelle B.59 dargestellt.

B.59 Umfeld- und Branchenrisiken/-chancen

Risikokategorie Eintrittswahrscheinlichkeit Ausmaß Chancenkategorie Ausmaß
         
Allgemeine Marktrisiken mittel hoch Allgemeine Marktchancen hoch
Risiken in Verbindung mit der Leasing- und Absatzfinanzierung niedrig niedrig Chancen in Verbindung mit der Leasing- und Absatzfinanzierung niedrig
Risiken aus dem Beschaffungsmarkt niedrig hoch Chancen aus dem Beschaffungsmarkt niedrig
Risiken infolge gesetzlicher und politischer Rahmenbedingungen mittel hoch Chancen infolge gesetzlicher und politischer Rahmenbedingungen niedrig

Volkswirtschaftliche Risiken und Chancen

Volkswirtschaftliche Risiken und Chancen stellen Rahmenbedingungen für die in den nachfolgenden Kategorien genannten Risiken und Chancen dar und fließen als Prämissen in die Quantifizierung dieser Risiken und Chancen ein. Der gesamtwirtschaftliche Rahmen hat maßgeblichen Einfluss auf die automobilen Absatzmärkte, deren Entwicklung zu den größten Risiken und Chancen des Konzerns zählt.

Wie die Mehrzahl der Wirtschaftsforschungsinstitute erwartet Daimler, dass sich die Weltwirtschaft auch 2016 nicht aus dem eher unterdurchschnittlichen Wachstumskorridor von 2,5 bis 3,0 % lösen können wird. Der letztjährige Konjunkturverlauf ist im Kapitel »Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Geschäftsverlauf« dieses Lageberichts ausführlich beschrieben; die Wachstumsannahmen für 2016 werden im »Prognosebericht« erörtert (Wirtschaftliche Lage und Prognosebericht)

Die volkswirtschaftlichen Risiken und Chancen sind an Annahmen und Prognosen über die Gesamtentwicklung der Einzelthemen gekoppelt. Insgesamt haben sich die volkswirtschaftlichen Risiken für das Geschäftsumfeld im Vergleich zum Vorjahr tendenziell erhöht, und die Chancen für eine Verbesserung der Weltwirtschaft sind leicht gesunken.

Für die weitere Wachstumsdynamik der US-amerikanischen Wirtschaft wird entscheidend sein, wie die Akteure nach einer derart langen Phase mit extrem niedrigem Zinsniveau auf die ersten Zinserhöhungsschritte der Zentralbank reagieren. Ein zu schnelles Anziehen der Zinsen durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hätte deutlich negative Auswirkungen auf die US-Konjunktur. So könnten steigende Kreditzinsen die Erholung des Immobilienmarktes ausbremsen und die Investitionsneigung der Unternehmen hemmen. Sollte sich die Abschwächung der Industrie, die ab Mitte 2015 zu beobachten war, verschärfen, hätte das spürbare Auswirkungen auf das Wachstum der US-Wirtschaft 2016. Falls die Erholung auf dem Arbeitsmarkt ins Stocken geraten oder die Löhne weniger stark steigen würden als aktuell angenommen, hätte das negative Konsequenzen für den privaten Konsum, die aktuell wichtigste Stütze des US-Wachstums. Politische Unsicherheit im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2016 könnte außerdem das Konsum- und Investitionsklima belasten. Die US-Notenbank Fed könnte zwar versuchen, im Falle einer spürbaren Wachstumsabschwächung geldpolitisch gegenzusteuern, allerdings hat sie wenig Gestaltungsspielraum, sodass die Wirksamkeit möglicher Maßnahmen begrenzt bliebe. Eine mögliche erneute Welle expansiver Maßnahmen würde außerdem die Gefahr von spekulativen Blasen weiter erhöhen. Da der Daimler-Konzern insbesondere in den Geschäftsfeldern Mercedes-Benz Cars und Daimler Trucks einen beträchtlichen Teil seines Absatzes in den USA erzielt und sich eine geringere Wachstumsdynamik auch auf andere Regionen übertragen könnte, hätte eine solche Entwicklung erhebliche Konsequenzen. Sollte es in den USA dagegen zu einer Investitionstätigkeit kommen, die deutlich dynamischer ausfällt als bislang unterstellt, könnte sich ein erheblich kräftigeres Wachstum ergeben. Da damit auch vermehrte Beschäftigungs- und Einkommenseffekte verbunden wären, könnte die Nachfrage in allen automobilen Geschäftsfeldern davon profitieren.

Falls in den Ländern der Europäischen Währungsunion (EWU) die weiterhin notwendige Konsolidierung der öffentlichen Haushalte sowie die Reformbemühungen nicht weiter fortgesetzt werden sollten, könnte dies an den Finanzmärkten für erneute Unruhe sorgen, die Refinanzierungskosten über steigende Kapitalmarktzinsen erhöhen und somit die immer noch recht moderate konjunkturelle Erholung gefährden. Darüber hinaus birgt die extrem niedrige Inflationsrate ein weiteres Risiko: Ein dauerhafter und auf breiter Basis angelegter Preisrückgang würde die konjunkturelle Erholung der EWU erheblich gefährden und dafür sorgen, dass es für die hoch verschuldeten Länder der Eurozone noch schwieriger würde, die Finanzierbarkeit ihrer Schuldenlast sicherzustellen. Ferner gibt es im Zuge der sehr expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank Bedenken, dass sich hierdurch die Gefahr von spekulativen Blasen an den Aktien- und Anleihemärkten weiter erhöhen könnte. Größere Turbulenzen an den Finanzmärkten hätten unmittelbare Auswirkungen auf die konjunkturellen Perspektiven. Die Einigung Griechenlands mit seinen Gläubigern im Sommer 2015 hat zwar die unmittelbaren Risiken eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone reduziert, diese sind jedoch nicht völlig vom Tisch. Ein erneutes Aufflammen der Diskussionen könnte zu erneuter Unsicherheit und Volatilität an den Finanzmärkten führen. Neu hinzugekommen ist das Risiko eines Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union. Dies hätte volkswirtschaftlich noch deutlich größere Auswirkungen, wobei ein Großteil des Risikos hier bei Großbritannien selbst liegen würde. Die mögliche Belastung für die britische Wirtschaft wäre immens. Der europäische Markt ist für Daimler über alle Geschäftsfelder hinweg auch künftig von großer Bedeutung; für die Geschäftsfelder Mercedes-Benz Cars und Mercedes-Benz Vans ist dies weiterhin sogar der bedeutendste Absatzmarkt. Eine nur schwer einzuschätzende Chance ist in einer deutlich besseren wirtschaftlichen Entwicklung in der Eurozone zu sehen. Sollten entgegen den derzeitigen Erwartungen Länder wie Italien und Frankreich zügig und entschlossen Reformen auf den Weg bringen, könnte auch das Wirtschaftswachstum kräftiger ausfallen; dies käme der Investitionsentwicklung und der automobilen Nachfrage auf dem wichtigen europäischen Markt zugute.

In Japan könnten ein Scheitern der expansiven Geld- und Fiskalpolitik sowie fehlende Strukturreformen eine deutliche Wachstumsverlangsamung oder Rezession auslösen. Dies ist aber eher als ein regional begrenztes Risiko anzusehen. Eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums könnte eine verringerte Nachfrage nach Pkw und Lkw nach sich ziehen. Als Folge könnten die Geschäftsfelder Mercedes-Benz Cars und Daimler Trucks negativ betroffen sein, für die Japan einen wichtigen Absatzmarkt darstellt. Eine regional begrenzte Chance besteht in einer markanten Beschleunigung des Wirtschaftswachstums in Japan. Ursache hierfür könnte ein deutlicher Anstieg der Investitionstätigkeit sein, der sich unmittelbar als Folge der angestrebten Strukturreformen und der schon eingeleiteten expansiven Geld- und Fiskalpolitik ergeben könnte. An dieser positiven Entwicklung könnten die Geschäftsfelder Mercedes-Benz Cars und Daimler Trucks wiederum partizipieren.

Aufgrund der enormen Bedeutung Chinas als Wachstumstreiber der Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren ist in einem konjunkturellen Einbruch der chinesischen Wirtschaft ein erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft zu sehen. Die Aktienmarkteinbrüche im Sommer 2015 und Anfang 2016, die volatile Entwicklung im Immobiliensektor sowie sinkende Exporte und zunehmende Kapitalabflüsse deuten auf strukturelle Schwachstellen hin. Sollten diese strukturellen Probleme gravierender sein als bisher unterstellt und würde die Wachstumsverlangsamung entsprechend deutlicher ausfallen, hätte das eine spürbare Abkühlung der Weltkonjunktur zur Folge. Außerdem stellt der seit der globalen Finanzkrise zu beobachtende enorme Anstieg der Verschuldung, vor allem im Unternehmenssektor, ein deutliches Risiko dar. Sollte es infolge der Wachstumsverlangsamung zu einer übermäßigen Zunahme von Kreditausfällen kommen, könnte dies zu Turbulenzen im Bankensektor und an den Finanzmärkten führen. Insbesondere für die Sparten Mercedes-Benz Cars und Mercedes-Benz Vans, für die China inzwischen ein bedeutender Absatzmarkt ist, könnte der angestrebte Absatzzuwachs geringer ausfallen. Außerdem würde die niedrigere chinesische Nachfrage den Preisverfall bei Öl und anderen Rohstoffen weiter verschärfen, mit enorm nachteiligen Effekten für rohstoffexportierende Länder weltweit. Dies würde die Nachfrage in den automobilen Geschäftsfeldern in diesen Regionen massiv belasten. Hingegen wird in einer noch kräftigeren Entwicklung der chinesischen Wirtschaft eine weitere Chance gesehen. Auslöser eines solchen Ereignisses wäre eine rasche Wirkung der expansiven geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen, begleitet von einem deutlich anziehenden Konsum. Der höhere Zuwachs beim gesamtwirtschaftlichen Konsum bietet als Folge weitere Chancen für die oben genannten Geschäftsfelder.

Ein weiteres Risiko ist in einer weiteren Wachstumsabschwächung der Schwellenländer zu sehen. Schon in den zurückliegenden Jahren enttäuschten insbesondere große Volkswirtschaften wie Russland und Brasilien, und auch Länder wie Indonesien oder die Türkei entwickelten sich unterhalb ihrer Möglichkeiten. Eine Kombination aus schwachem Wachstum und hohen Zinsen erhöht in diesen Ländern das Risiko für einen Anstieg der Kreditausfälle, vor allem vor dem Hintergrund des teils markanten Kreditwachstums der vergangenen Jahre. Ein weiterer Rückgang der Rohstoffpreise sowie die Zinserhöhung in den USA könnten erneut zu starken Kapitalabflüssen, vor allem aus den rohstoffexportierenden Schwellenländern, führen. Dies würde die Finanzierungsbedingungen vor allem in den Schwellenländern verschlechtern, die aufgrund hoher Leistungsbilanzdefizite stark auf ausländisches Kapital angewiesen sind und eine hohe Auslandsverschuldung aufweisen. Finanzmarktturbulenzen bis hin zu Währungskrisen wären mögliche Konsequenzen und könnten die Konjunktur in den betroffenen Volkswirtschaften massiv belasten. Da Daimler in diesen Ländern entweder schon sehr aktiv ist beziehungsweise diese Märkte eine strategische Rolle spielen, hätte dies für die Absatzaussichten des Konzerns deutlich negative Folgen. Eine Chance ist in spürbaren Reformumsetzungen wichtiger Schwellenländer zu erkennen. Sollten strukturelle Reformen gerade in Ländern wie Indien oder Indonesien schnell und konsequent angegangen werden, würden globale Kapitalzuflüsse in diese Länder wieder zunehmen und somit auch neue Wachstumsspielräume entstehen. Darüber hinaus könnte eine reduzierte Unsicherheit auf den internationalen Finanzmärkten nach der ersten Zinsanhebung in den USA für positive Effekte insbesondere auf die Konjunktur in den Schwellenländern sorgen.

Mit dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine belastet seit 2014 ein zusätzliches Risiko die Entwicklung der Weltwirtschaft, das die makroökonomische Unsicherheit erhöht und sich negativ auf Geschäftsklima und Verbrauchervertrauen auswirkt. Eine Eskalation der Krise und die daraus resultierende Verschärfung von Sanktionen und Gegensanktionen hätten massive negative Auswirkungen auf die Konjunktur vor allem in Europa, deren konkretes Ausmaß schwer abzuschätzen ist. Auch Auswirkungen auf den Ölpreis in Form einer höheren Risikoprämie sind denkbar und würden Stimmung und Nachfrage in Ländern belasten, die stark von Erdölimporten abhängig sind. Nicht abzusehen sind ferner die Folgen eines möglichen Zahlungsausfalls Russlands beziehungsweise des Nicht-Bedienens fälliger Schulden.

Der Konflikt in Syrien, verstärkt durch die Offensive des »Islamischen Staats« (IS), gefährdet die Stabilität in der Region, vor allem auch im Nachbarland Irak. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Iran und Saudi-Arabien verstärkt die Spannungen in der Region und reduziert die Chancen für eine Beilegung der herrschenden Konflikte. Auch wenn sich der Großteil der irakischen Ölproduktion außerhalb der vom IS kontrollierten Regionen befindet, bleiben Sorgen über mögliche Störungen der irakischen Öllieferungen oder ein weiteres Übergreifen des bewaffneten Konflikts in Syrien. Sollten die Ölpreise infolge eines Angriffs auf die Ölförderanlagen abrupt steigen, könnte das die Erholung in fragilen Volkswirtschaften Europas oder in den USA gefährden und von Ölimporten abhängige Schwellenländer belasten. Sollte der Ölpreis allerdings für längere Zeit auf so niedrigem Niveau bleiben, verbindet sich damit für die Weltwirtschaft aufgrund des Kaufkraftgewinns in Summe eine beträchtliche Wachstumschance. Darüber hinaus haben Terroranschläge durch den IS in der jüngeren Vergangenheit gezeigt, dass der Konflikt nicht weiter als regionales Risiko betrachtet werden kann. Sollte es infolge von weiteren Attentaten oder Übergriffen in Europa zu einem Unsicherheitsschock kommen, könnte das Investitionen und Verbrau­chervertrauen auf breiter Basis untergraben und so auch realwirtschaftliche Effekte haben. Daneben könnten höhere Staatsausgaben, beispielsweise zur Bewältigung der Flüchtlingskrise und für Sicherheitsmaßnahmen, zu steigenden Fiskaldefiziten in Europa führen. Eine Chance stellt dagegen die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran dar. Die Wiederaufnahme der Wirtschaftsbeziehungen und ein enormer Nachholbedarf nach Ende der Sanktionen bergen ein großes Wachstumspotenzial, an dem auch die Geschäftsfelder Mercedes-Benz Cars und vor allem Daimler Trucks partizipieren können.

Auf den globalen Finanzmärkten könnte es in einem Markt­umfeld mit relativ niedriger Liquidität zu starken Marktkorrekturen und Phasen außerordentlicher Volatilität kommen, wenn beispielsweise Markterwartungen hinsichtlich der Zentralbankaktivitäten in den USA oder Europa nicht erfüllt werden. Derartige Entwicklungen könnten weltweit das Investitionsklima belasten und sich negativ auf die Weltkonjunktur auswirken. Außerdem könnten Spannungen aufgrund der Volatilität der Wechselkurse und möglicher Manipulationen zur Wahrung der globalen Wettbewerbsfähigkeit zu einem Anstieg protektionistischer Maßnahmen und einer Art »Abwertungsrennen« führen. Dies würde den Welthandel deutlich belasten und künftiges Wachstum gefährden.

Allgemeine Marktrisiken und -chancen

Risiken und Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung auf den Automobilmärkten sind maßgeblich durch die in den vorhergehenden Abschnitten beschriebene konjunkturelle Lage der Weltwirtschaft beeinflusst.

Die Beurteilung marktwirtschaftlicher Risiken und Chancen ist an Annahmen und Prognosen über die Gesamtmarktentwicklung in den Regionen gekoppelt, in denen der Daimler-Konzern tätig ist. Die potenziellen Auswirkungen der Risiken auf die Absatzentwicklung des Daimler-Konzerns werden in Risikoszenarien erfasst. Die Gefahr sich schlechter entwickelnder Märkte oder sich verändernder Marktbedingungen, insbesondere aufgrund des zum Teil instabilen makroökonomischen Umfelds sowie politischer oder wirtschaftlicher Unsicherheiten, besteht grundsätzlich für alle Geschäftsfelder des Daimler-Konzerns und kann Veränderungen bezogen auf die geplanten Absätze und Bestände bewirken. Unterschiede zwischen den Geschäftsfeldern gibt es aufgrund der teilweise abweichenden regionalen Tätigkeitsschwerpunkte der einzelnen Segmente. Die Entwicklung der Märkte wird von den Geschäftsfeldern kontinuierlich analysiert und überwacht; gegebenenfalls werden spezifische Marketing- und Vertriebsprogramme aufgesetzt. Für jedes Geschäftsfeld sind dabei klare Strategien formuliert, um profitables Wachstum und effizientes Vorgehen sicherzustellen.

Bestehende Unsicherheiten in Bezug auf die Entwicklungen der Märkte können auch dazu führen, dass sich der Gesamtmarkt oder regionale Rahmenbedingungen für die Automobilindustrie besser entwickeln als in den internen Prognosen und Prämissen, die der Zielplanung des Unternehmens zugrunde liegen, angenommen. Aufgrund der hohen Nachfrage, insbesondere in Bezug auf Fahrzeuge unterschiedlicher Baureihen des Geschäftsfelds Mercedes-Benz Cars, sind marktwirtschaftliche Chancen denkbar, die durch den Aufbau zusätzlicher Produktionskapazitäten oder die Erhöhung des Produktionsumfangs der Geschäftsfelder abgedeckt werden könnten. Durch eine verbesserte Marktentwicklung oder eine Veränderung der Rahmenbedingungen im Markt existiert auch im Segment Daimler Trucks die Möglichkeit höherer Absätze von Fahrzeugen. Weitere Marktchancen werden durch die Geschäftsfelder Mercedes-Benz Vans und Daimler Buses erkannt. Die bestehenden Marktchancen der Geschäftsfelder des Daimler-Konzerns können jedoch nur genutzt werden, wenn die Produktion und entsprechende regionale Rahmenbedingungen hierauf ausgerichtet werden können und Lücken zwischen Nachfrage und Angebot rechtzeitig erkannt und abgedeckt werden. Die durch den Daimler-Konzern initiierbaren Maßnahmen zur Nutzung des Chancenpotenzials umfassen folglich eine Kombination aus dezentralen Vertriebs- und Marketingaktionen, zentraler, strategischer Produkt- und Kapazitätsplanung sowie Anpassung der Produktions- und Kostenstrukturen an sich verändernde Rahmenbedingungen.

Aufgrund der zum Teil angespannten wirtschaftlichen Lage einiger Händler und Fahrzeugimporteure könnten Unterstützungsleistungen notwendig werden, um die Leistungsfähigkeit der Geschäftspartner sicherzustellen. Die Ursache der Risiken liegt in deren jeweiligem Risikoumfeld. Unterstützungsleistungen würden die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage der automobilen Geschäftsfelder belasten. Daher wird die finanzielle Lage strategisch relevanter Händler und Fahrzeugimporteure kontinuierlich überwacht. Entsprechende Risiken bestehen für Händler und Fahrzeugimporteure der Geschäftsfelder Mercedes-Benz Cars, Daimler Trucks und Mercedes-Benz Vans.

Das erfolgreiche Produktportfolio des Daimler-Konzerns trägt zu einer vorteilhaften Positionierung gegenüber den Wettbewerbern bei. Ein möglicherweise steigender Wettbewerbs- und Preisdruck ist ein weiteres übergreifendes Risikofeld bezogen auf die automobilen Segmente. Hierbei können aufgrund einer aggressiven Preispolitik, der Einführung neuer Produkte durch Wettbewerber oder des Preisdrucks in Bezug auf das After-Sales-Geschäft gegebenenfalls Preise nicht wie erwartet durchgesetzt werden. Es ist möglich, dass daraus reduzierte Erträge resultieren oder sich die Wirkung durchgeführter Kosteneinsparungsmaßnahmen nicht vollständig im Ergebnis widerspiegelt. Der Umfang der Risiken orientiert sich dabei an der Größe des Absatzvolumens eines Geschäftsfelds.Je nach Ausprägung des regionalen Absatzes werden unterschiedliche Maßnahmen ergriffen, um absatzschwächere Märkte zu unterstützen. Hierzu gehören beispielsweise die Nutzung neuer Vertriebskanäle, Maßnahmen zur Stärkung des Markenbewusstseins und der Markentreue sowie Verkaufs- und Marketingaktionen. Diese Maßnahmen können auch auf die Absicherung der Geschäfte im Bereich After-Sales angewendet werden. Zudem setzt Daimler unterschiedliche Programme zur Verkaufsförderung ein. Diese Programme umfassen finanzielle Anreize für Kunden. Entsprechende Maßnahmen zur Unterstützung des Segmentabsatzes würden sich nachteilig auf das erwartete Ergebnis auswirken. Zur frühzeitigen Erkennung zugehöriger Risiken wird ein kontinuierliches Monitoring der Wettbewerber durchgeführt. Chancen können dabei entstehen, wenn bereits eingeplante absatzfördernde Maßnahmen nicht ausgeschöpft werden müssen.

Weitere Risiken und Chancen bei Mercedes-Benz Cars und Daimler Trucks betreffen die Entwicklung der Gebrauchtwagenmärkte und damit die Restwerte der produzierten Fahrzeuge. Im Rahmen des etablierten Restwertmanagementprozesses werden auf lokaler und zentraler Ebene regelmäßig bestimmte Annahmen über das erwartete Preisniveau getroffen, auf deren Basis die Rückläufe aus Leasinggeschäften bewertet werden. Sollte aufgrund allgemeiner Marktentwicklungen eine negative beziehungsweise positive Abweichung von den Annahmen eintreten, besteht das Risiko schlechterer beziehungsweise die Chance besserer Fahrzeugrestwerte von Gebrauchtwagen. Die Maßnahmen umfassen je nach Region und aktueller Marktlage grundsätzlich die kontinuierliche Marktüberwachung sowie gegebenenfalls Preissetzungsstrategien oder absatzfördernde Maßnahmen zur Regulierung der Fahrzeugbestände. Die Prognosequalität der Markteinschätzung wird durch regelmäßige Vergleiche von internen und externen Quellen verifiziert, und die Restwertsetzung wird bei Bedarf angepasst sowie methodisch, prozessual und systemseitig weiterentwickelt.

Da die Zielerreichung des Geschäftsfelds Daimler Financial Services eng mit dem Geschäftsverlauf der automobilen Geschäftsfelder verbunden ist, spiegeln sich bestehende Volumenrisiken und -chancen auch im Segment Daimler Financial Services wider. Daimler Financial Services beteiligt sich in diesem Zusammenhang an Marketingaufwendungen, insbesondere für Werbemaßnahmen in den Medien.

Das Ausmaß der Risiken wird unverändert als »hoch« eingeschätzt. Aufgrund der Volatilitäten in den Märkten steigt die Summe der Marktrisiken insgesamt auf über 3 Mrd. €. Das Ausmaß der Chancen ist insbesondere aufgrund von Marktchancen im Segment Mercedes-Benz Cars gestiegen.

Risiken und Chancen im Zusammenhang mit dem Leasing- und Absatzfinanzierungsgeschäft

Im Zusammenhang mit der Veräußerung von Fahrzeugen bietet Daimler seinen Kunden auch vielfältige Finanzierungsmöglichkeiten an – vor allem die Finanzierung oder das Leasing von Konzernprodukten. Die daraus resultierenden Risiken für das Segment Daimler Financial Services liegen vor allem in einer Verschlechterung der Bonität der Kreditnehmer, sodass Forderungen aufgrund der Zahlungsunfähigkeit von Kunden ganz oder teilweise uneinbringlich werden (Adressenausfall- oder Kreditrisiko). Daimler begegnet den Kreditrisiken mit Bonitätsprüfungen auf Basis standardisierter Scoring- und Ratingverfahren, der Besicherung der Forderungen und einem State-of-the-Art-Risikomanagement mit einem starken Augenmerk auf das Monitoring von sowohl internen als auch makroökonomischen Frühwarnindikatoren. Sonstige Risiken im Zusammenhang mit dem Leasing- und Absatzfinanzierungsgeschäft betreffen mögliche höhere Refinanzierungskosten infolge von Zinsänderungen (Zinsänderungsrisiko). Bei einer Anpassung der Kreditkonditionen für Kunden im Leasing- und Absatzfinanzierungsgeschäft aufgrund höherer Refinanzierungskosten können sich das Neugeschäft und das Vertragsvolumen von Daimler Financial Services und auch der Absatz der automobilen Geschäftsfelder verringern. Risiken und Chancen ergeben sich zudem aus einer nicht fristenkongruenten Refinanzierung. Durch eine auf die Laufzeiten der Finanzierungsverträge abgestimmte Refinanzierung wird das Risiko der Fristeninkongruenz sowohl unter Zins- als auch unter Liquiditätsgesichtspunkten minimiert. Verbleibende Zinsänderungsrisiken werden durch den Einsatz derivativer Finanzinstrumente gesteuert. Weitere Informationen zum Kreditrisiko und zu den risikobegrenzenden Maßnahmen des Konzerns können der Anmerkung 32 des Konzernanhangs entnommen werden. Darüber hinaus resultieren aus dem Leasinggeschäft die in den Risiken zur Entwicklung der Gebrauchtwagenmärkte beschriebenen Restwertrisiken für die automobilen Geschäftsfelder. Das Ausmaß der Risiken und Chancen sowie die Eintrittswahrscheinlichkeit der Risiken im Zusammenhang mit dem Leasing- und Absatzfinanzierungsgeschäft wird unverändert als »niedrig« eingeschätzt.

Beschaffungsmarktrisiken und -chancen

Die Konzernrisiken auf der Beschaffungsseite ergeben sich für die automobilen Geschäftsfelder insbesondere aus den Preisschwankungen bei Rohstoffen. Daneben bestehen Risiken aus finanziellen Engpässen bei Lieferanten, Kapazitätsengpässen durch den Ausfall von Lieferanten sowie aus der Unterauslastung von Produktionskapazitäten bei Lieferanten. Insgesamt ist das Ausmaß der Risiken in Bezug auf den Beschaffungsmarkt unverändert als »hoch« einzuschätzen. Die Risikosituation in Bezug auf die Eintrittswahrscheinlichkeit hat sich im Vergleich zum Vorjahr leicht entspannt und wird nun mit »niedrig« bewertet. Chancen auf den Rohmaterialmärkten werden wie im Vorjahr nur in geringem Umfang erwartet.

Die Rohmaterialpreise zeigten eine Seitwärtsbewegung, wiesen zum Teil Preisverfälle im Geschäftsjahr 2015 auf und waren von mäßiger Volatilität geprägt. Der zum Jahresbeginn schwächere Euro/USD-Wechselkurs hatte einen großen Einfluss auf alle in USD notierten Rohstoffe. Aufgrund von weitestgehend unveränderten makroökonomischen Rahmenbedingungen werden in naher Zukunft Preisschwankungen mit unsicheren und uneinheitlichen Trends erwartet. Auf der einen Seite können die Rohstoffmärkte von politischen Krisen und Unsicherheiten – verbunden mit möglichen Versorgungsengpässen – sowie von der volatilen Nachfrage nach vereinzelten Rohmaterialien beeinflusst werden; damit erhöht sich das Risiko aus Rohmaterialpreisen für die einzelnen automobilen Segmente. Auf der anderen Seite profitieren die automobilen Segmente beschaffungsseitig sowohl von der spürbar geringeren Dynamik der chinesischen Industrie als auch von dem erneut erwarteten leicht unterdurchschnittlichen Wachstum der Weltwirtschaft. Generell sind der Weitergabe der Rohstoff- und Materialverteuerungen über höhere Preise für die hergestellten Fahrzeuge enge Grenzen gesetzt, da auf den internationalen Automobilmärkten ein ausgeprägter Konkurrenzdruck herrscht. Ein drastischer Anstieg der Rohstoffpreise wäre zumindest temporär mit einer beträchtlichen konjunkturellen Wachstumseinbuße verbunden.

Das Lieferantenrisikomanagement zielt darauf ab, mögliche finanzielle Engpässe bei Lieferanten frühzeitig zu erkennen und geeignete Abwehrmaßnahmen einzuleiten. Auch nach den zurückliegenden Krisenjahren ist die Situation bei einigen Lieferanten aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks weiterhin angespannt. Dies hat dazu geführt, dass einzelne oder gemeinschaftliche Unterstützungsmaßnahmen seitens der Fahrzeughersteller notwendig wurden, um deren Produktion und Absatz sicherzustellen. Im Rahmen des Lieferantenrisikomanagements werden in Abhängigkeit von erfassten Warnsignalen und der internen Einstufung regelmäßige Berichtstermine für Lieferanten vereinbart, an denen wichtige Leistungskennziffern an Daimler berichtet und bei Bedarf etwaige Stützungsmaßnahmen bestimmt werden.

Bei einem weiteren Absatzrückgang in wichtigen Schwellenländern besteht insbesondere im Geschäftsfeld Daimler Trucks das Risiko, dass Daimler einen deutlich geringeren Lieferabruf an fremdbeschafften Teilen von Lieferanten tätigen wird als ursprünglich geplant. Für die Lieferanten hätte dies eine Unterauslastung von Produktionskapazitäten zur Folge. Bei Fixkostenunterdeckungen bestünde das Risiko, dass Lieferanten eine Kompensationszahlung einfordern.

Risiken und Chancen infolge gesetzlicher und politischer Rahmenbedingungen

Auch gesetzliche und politische Rahmenbedingungen haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf den künftigen Geschäftserfolg von Daimler. Dabei spielen insbesondere die Emissions-, Verbrauchs- und Sicherheitsbestimmungen für Fahrzeuge eine wichtige Rolle. Um die vielfältigen und weltweit oftmals divergierenden Regelungen einzuhalten, sind erhebliche Anstrengungen seitens der Automobilindustrie erforderlich. Wir erwarten, dass wir in Zukunft einen noch höheren Anteil des Forschungs- und Entwicklungsbudgets für die Erfüllung dieser Anforderungen aufwenden werden. Die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten eines Risikos hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert und wird mit »mittel« bewertet; das Ausmaß der Risiken wird unverändert als »hoch« eingeschätzt.

Viele Länder haben bereits strengere Regelungen zur Reduzierung von Emissions- und Verbrauchswertenvon Fahrzeugen erlassen oder bringen aktuell entsprechende Gesetzesvorgaben auf den Weg.

Im Segment Mercedes-Benz Cars bestehen dabei insbesondere Risiken im chinesischen Markt. Die chinesischen Behörden haben für 2020 einen Flottendurchschnittsverbrauch von 5,0 l/100 km (ca. 117 g CO2/km) als Industrieziel für Neuwagen definiert. Für das Jahr 2025 hat China im Rahmen seiner »Made in China 2025«-Strategie ein Industrieziel von 4,0 l/100 km (circa 94 g CO2/km) kommuniziert. Bei Überschreitung der herstellerspezifischen Flottenziele droht die Verweigerung der Neuzulassung von Fahrzeugen beziehungsweise der Marktausschluss. Zudem werden derzeit neue Emissionsgesetzgebungen (China 6, Beijing 6) diskutiert. Es ist eine signifikante Verschärfung der bisherigen Gesetzgebungen zu erwarten.

Auch in der Europäischen Union bestehen anspruchsvolle Regelungen zum CO2-Ausstoß von Neufahrzeugen. Ab 2020 ist industrieweit ein CO2-Flottendurchschnittswert von 95 g CO2/km zu erreichen. Dies ist nach einer einjährigen Übergangsphase erstmalig im Jahr 2021 für 100 % der Flotte verbindlich. Bei einer Überschreitung der sich aus dem durchschnittlichen Flottenfahrzeuggewicht ergebenden Daimler-Zielwerte wären Strafzahlungen (95 € pro g CO2/km und Fahrzeug) fällig. Zusätzlich besteht durch die geplante Ablösung des NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) durch den WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) eine Unsicherheit, da weder die Einführungstermine des WLTP noch die Bedingungen der Umrechnung von WLTP in NEFZ-Werte zur Überprüfung des NEFZ-Flottenzieles bis voraussichtlich 2020 beziehungsweise die Fortschreibung des Flottenzieles in WLTP-Werten ab voraussichtlich 2021 final festgelegt sind. Nach heutigem Kenntnisstand wird die Umstellung auf WLTP die CO2-Zielerreichung ab 2020 erschweren.

In Deutschland gibt es zudem Überlegungen, mit einem Regierungsprogramm den bisher schleppenden Absatz von Elektrofahrzeugen zu stimulieren. Bei den Konzepten zu Kaufanreizen wird auch über eine Gegenfinanzierung diskutiert. Hier besteht das Risiko, dass konventionelle Fahrzeuge über eine neue Zulassungsgebühr zur Finanzierung von Incentives höher belastet werden (auch in Abhängigkeit vom CO2-Ausstoß). Dies gilt auch für die Besteuerung von Dienst- beziehungsweise Firmenwagen. Flottenkunden könnten dann auf kleinere, verbrauchsärmere Fahrzeuge ausweichen.

Die Treibhausgas- beziehungsweise Verbrauchsgesetzgebung in den USA sieht vor, dass die US-Neuwagenflotte im Jahr 2025 durchschnittlich nur noch 163 g CO2/Meile (ca. 100 g CO2/km) emittieren darf. Diese Vorgaben erfordern ab dem Modelljahr 2017 eine durchschnittliche Reduktion der CO2-Emissionen von jährlich 5 % bei den Pkw und anfänglich 3,5 % bei den SUVs und Pickups, für die damit bis 2022 ein etwas geringerer Anspannungsgrad gilt. Das trifft die deutschen Premiumhersteller und damit auch das Segment Mercedes-Benz Cars stärker als zum Beispiel die amerikanischen Hersteller. So können aufgrund einer weiterhin starken Nachfrage nach großen, leistungsstarken Motoren in den USA und auch in Kanada monetäre Strafen nicht ausgeschlossen werden.

In zahlreichen weiteren Ländern existieren ähnliche Gesetze oder sind derzeit in Vorbereitung, beispielsweise in Japan, Südkorea, Indien, Kanada, der Schweiz, Mexiko, Saudi-Arabien, Brasilien und Australien.

Daimler berücksichtigt diese Zielvorgaben in den Produktplanungen. Die zunehmend anspruchsvolleren Zielsetzungen erfordern signifikante Anteile von Plug-In-Hybriden oder anderen elektrifizierten Antrieben. Der Markterfolg dieser Antriebskonzepte wird maßgeblich vom regionalen Marktumfeld mitbestimmt, beispielsweise von der Ladeinfrastruktur und von Fördermaßnahmen. Da das Marktumfeld nicht sicher vorhergesagt werden kann, verbleibt ein Restrisiko.

Im Jahr 2015 ist insbesondere die für die Erreichung der anspruchsvollen CO2-Ziele in der EU wichtige Dieseltechnologie durch Luftqualitätsprobleme in Städten (Überschreitungen der Grenzwerte bei NOx) und verstärkt durch Manipulationen eines Wettbewerbers bei der Erfüllung von Emissionsvorschriften unter Druck geraten. In diesem Umfeld wurden oder werden noch große Teile des Real-Driving-Emission-Gesetzes (RDE) auf den Weg gebracht. Dies führte zu einer sehr ambitionierten Gesetzgebung, die ab 2017 sehr aufwendige Abgasnachbehandlungstechnologien erfordern wird. Es bleibt abzuwarten, inwiefern die negativen Schlagzeilen und die Androhung von Fahrverboten für Dieselfahrzeuge die Kunden verunsichert haben und sich dadurch Verschiebungen im Antriebs-Portfolio (weniger Diesel, mehr Benziner) ergeben. Sollte Letzteres dauerhaft eintreten, wären zur CO2-Flottenzielerreichung ab 2020 weitere Maßnahmen erforderlich. Wir machen darauf aufmerksam, dass verschiedene Umweltbehörden in Europa und in den USA Anfragen zu Testergebnissen an uns gestellt haben. Einige Anfragen konnten bereits ohne Feststellungen beendet werden, andere Diskussionen halten noch an.

Nach der EU-Richtlinie 2006/40/EG erhalten seit dem1. Januar 2011 nur diejenigen Fahrzeuge eine Typgenehmigung, deren Klimaanlage mit einem Kältemittel befüllt ist, das bestimmte Kriterien hinsichtlich der Klimafreundlichkeit erfüllt. Für Fahrzeuge, die aufgrund früher erteilter Typgenehmigungen gebaut werden, sieht die Richtlinie eine Übergangszeit bis zum 31.12.2016 vor. Fahrzeuge von Mercedes-Benz werden die ab dem 1. Januar 2017 geltenden gesetzlichen Anforderungen durch den Einsatz von CO2-Klimaanlagen sowie des Kältemittels R1234yf in Kombination mit einer speziell entwickelten Schutzeinrichtung, die je nach Fahrzeugkonfiguration verwendet wird, vollumfänglich erfüllen. Die EU-Kommission hat im Dezember 2015 beschlossen, Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) einzureichen. Die Kommission sieht einen Verstoß gegen die Rahmenrichtlinie für Typengenehmigungen durch deutsche Behörden. Derzeit geht der Konzern nicht davon aus, dass sich hieraus wesentliche Auswirkungen auf die Ertrags-, Finanz- und Vermögenlage ergeben.

Strenge Regelungen zur Reduzierung von Emissions- und Verbrauchswerten von Fahrzeugen sind auch für das Geschäftsfeld Daimler Trucks mit Risiken behaftet. So sind für die schweren Nutzfahrzeuge in Japan im Jahr 2006 und in den USA im Jahr 2011 Gesetze zur Reduzierung von Treibhausgasen und Kraftstoffverbrauch verabschiedet worden. In den USA wurde im Juli ein Gesetzesvorschlag für eine Verbrauchs- und Treib­hausgasgesetzgebung veröffentlicht, der voraussichtlich ab den Jahren 2021 bis 2027 zu erfüllen sein wird. Da das Gesetz erst Mitte 2016 verabschiedet wird, können die Konsequenzen für Daimler Trucks noch nicht vollständig beurteilt werden. China hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der voraussichtlich ab 2017 auch die Exporte dorthin betreffen und zusätzlichen Aufwand erfordern wird. Die Europäische Kommission arbeitet zurzeit an einem Messverfahren zur Erfassung des CO2-Ausstoßes von schweren Nutzfahrzeugen, das voraussichtlich ab 2018 anzuwenden sein wird. Wir müssen davon ausgehen, dass die gesetzlichen Vorgaben in einigen Ländern schwer zu erfüllen sein werden. Auch für die leichten Nutzfahrzeuge sind sehr anspruchsvolle CO2-Emissionsvorschriften geplant beziehungsweise beschlossen, die vor allem langfristig eine Herausforderung für das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Vans, das im Wesentlichen das schwere Segment der N1-Fahrzeuge bedient, darstellen. So darf die europäische Flotte der N1-Fahrzeuge im Durchschnitt ab 2017 nicht mehr als 175 g CO2/km und ab 2020 nicht mehr als 147 g CO2/km emittieren. Ansonsten können Strafzahlungen nicht ausgeschlossen werden. In den USA ist Mercedes-Benz Vans sowohl von der Verbrauchs- und Treibhausgasregulierung von Pkw und schweren Nutzfahrzeugen in unterschiedlichem Maße betroffen. Die Verschärfung der Grenzwerte für die Jahre 2021 bis 2027 wird auch Mercedes-Benz Vans betreffen.

Aufgrund seiner von jeher starken Fokussierung auf Fahrzeugsicherheit erwartet Daimler derzeit keine zusätzlichen Risiken aus den weltweit gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheits-vorschriften.

Zusätzlich zu Emissions-, Verbrauchs- und Sicherheitsbestimmungen nehmen in Städten und Ballungszentren der Europäischen Union und anderer Regionen der Welt verkehrspolitische Restriktionen zur Bekämpfung von Staus, Lärm und Emissionen an Bedeutung zu. Drastische Maßnahmen wie generelle Zulassungsbeschränkungen, beispielsweise in Peking, Guangzhou und Shanghai, werden zunehmend angewandt und können die Absatzentwicklung insbesondere in den Wachstumsmärkten dämpfen. In europäischen Städten erhöhen zunehmend Maßnahmen wie Einfahrbeschränkungen beziehungsweise Einfahrverbote sowie Straßenbenutzungsgebühren den Druck auf eine Reduzierung des Individualverkehrs. Daraus erwächst Nachfrage nach Mobilitätsdienstleistungen einschließlich Carsharing-Diensten. Um die sich daraus ergebenden Chancen zu nutzen, ist Daimler mit innovativen Mobilitätsdienstleistungen (unter anderem mit car2go, moovel, RideScout und mytaxi) am Markt vertreten.

Daimler verfolgt ständig die Entwicklung der gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen und versucht, absehbare Anforderungen und langfristige Zielsetzungen frühzeitig im Produktentstehungsprozess zu antizipieren. Die große Herausforderung der nächsten Jahre wird sein, in jedem Markt das passende Antriebsportfolio und die passende Produktpalette anzubieten und dabei gleichzeitig Kundenwünsche, interne Wirtschaftlichkeitsziele und gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Bei einer optimalen Ausgestaltung von Portfolio und Markteinführungsstrategien können hieraus auch Wettbewerbsvorteile entstehen.

Darüber hinaus könnte die Position des Daimler-Konzerns in wichtigen ausländischen Märkten durch die Zunahme bilateraler Freihandelsabkommen beeinflusst werden. Sofern bilaterale Abkommen ohne die Beteiligung der EU beziehungsweise ohne den Abschluss gleichwertiger Abkommen der Europäischen Union abgeschlossen werden, könnte das die Position des Daimler-Konzerns signifikant beeinträchtigen. Gleichzeitig könnten daraus jedoch auch Chancen für den Daimler-Konzern entstehen, sollte die EU Abkommen mit Märkten abschließen, denen kein Pendant seitens wichtiger Wettbewerbsmärkte entgegensteht.

Ferner besteht die Gefahr, dass einzelne Länder bei dem Versuch, ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt zu schützen oder zu verbessern, verstärkt zu interventionistischen und protektionistischen Maßnahmengreifen. Insbesondere in China und in den Märkten der Entwicklungs- und Schwellenländer werden unter anderem durch erschwerte Zertifizierungsprozesse zunehmend Tendenzen festgestellt, den Zuwachs von Importen zu begrenzen und mithilfe von industriepolitischen Maßnahmen Investitionen ins Land zu holen. Darüber hinaus ist insbesondere auch eine Tendenz zur Verschärfung im Wettbewerbsrecht zu beobachten.

Um sich diesen Rahmenbedingungen anzupassen, hat Daimler bereits die lokale Wertschöpfung in wichtigen Märkten erhöht und damit rechtzeitig die Weichen gestellt. Auf Basis der zunehmenden Marktnähe der Produktionsstandorte ergeben sich zusätzliche Chancen für den Daimler-Konzern wie zum Beispiel logistische Vorteile oder Chancen in der Potenzialausschöpfung der Märkte.

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Unternehmensspezifische Risiken und Chancen
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