Automobilmärkte

Die weiterhin unterdurchschnittliche weltwirtschaftliche Dynamik im Gesamtjahr 2015 machte sich auch bei der Entwicklung der globalen Pkw-Nachfrage bemerkbar. Der Anstieg von rund 3 % auf weltweiter Ebene ist bei dem aktuell hohen Marktniveau zwar als durchaus solide einzustufen, die regionalen Unterschiede waren aber sehr ausgeprägt: Während sich China und die traditionellen Märkte USA und Westeuropa relativ günstig entwickelten, war die Nachfrage in einigen großen Schwellenländern sehr schwach. (Vgl. Abbildung B.06)

B.06 Automobilmärkte weltweit

Von einem bereits sehr hohen Niveau ausgehend konnte der US-Markt nochmals knapp 6 % zulegen und übertraf mit rund 17,5 Mio. Pkw und leichten Nutzfahrzeugen seinen bisherigen historischen Höchststand aus dem Jahr 2000. Auch die Nachfrage im westeuropäischen Markt entwickelte sich erfreulich. Die Markterholung, die im Jahr 2014 einsetzte, gewann im Berichtsjahr an Dynamik und führte zu einem deutlichen Zuwachs von etwa 9 %. Hervorzuheben ist dabei, dass die Marktzuwächse auf breiter Basis stattfanden: Zweistellige Wachstumsraten wurden in Spanien und Italien erzielt, während die drei großen Märkte Deutschland, Großbritannien und Frankreich jeweils signifikante Zuwächse in der Größenordnung von 6 bis 7 % verzeichneten.

Auf den ersten Blick entwickelte sich auch der chinesische Pkw-Markt mit einem Zuwachs von rund 9 % und dem größten absoluten Beitrag zum weltweiten Volumenanstieg weiterhin erfreulich. Diese Zahlen überdecken allerdings die ausgeprägte Schwächephase, die der Markt in den Sommermonaten durchlief. Mit Steuersenkungen beim Kauf kleiner Fahrzeuge bis 1,6 l Hubraum hat die chinesische Regierung schließlich gegengesteuert, was in der Folge maßgeblich für den beschriebenen Marktzuwachs war.

Der japanische Pkw-Markt ist um rund 10 % zurückgegangen, nachdem die Nachfrage über einige Jahre hinweg durch staatliche Maßnahmen künstlich hoch gehalten worden war. Die großen Schwellenländer mit Ausnahme von China zeigten sehr unterschiedliche Tendenzen. Der indische Markt legte spürbar zu, während die Pkw-Nachfrage in Brasilien und Russland regelrecht einbrach. Tiefe wirtschaftliche Rezessionen in beiden Ländern sorgten für Marktrückgange von rund 25 % in Brasilien und sogar 35 % in Russland und bremsten damit auch den weltweiten Volumensanstieg.

Die weltweite Nachfrage nach mittelschweren und schweren Lkw stand im vergangenen Jahr erheblich unter Druck und gab insgesamt um rund 11 % nach. Auch für diesen Rückgang waren vor allem die drastischen Verluste in einigen großen Schwellenländern verantwortlich, die von der positiven Entwicklung der nordamerikanischen und europäischen Märkte nicht kompensiert werden konnten.

Der nordamerikanische Markt zeigte sich in den Gewichtsklassen 6-8 mit einem Anstieg von etwa 11 % insgesamt nochmals robust. Allerdings war im Jahresverlauf zunächst bei den Auftragseingängen in der Industrie und zum Jahresende auch bei den Verkaufszahlen eine Abschwächung der Marktdynamik zu beobachten.

Deutlich besser als zu Jahresbeginn erwartet entwickelte sich der europäische Markt. In einem vergleichsweise günstigen konjunkturellen Umfeld konnte er um rund 17 % zulegen. Der türkische Markt schwächte sich nach positivem Auftakt zunächst deutlich ab, aufgrund von Vorzieheffekten wegen der Einführung des Euro-VI-Standards ergab sich aber dennoch ein Wachstum von rund 9 %. Vor allem aufgrund der ausgeprägten wirtschaftlichen Rezession brach hingegen die Lkw-Nachfrage in Brasilien drastisch ein und verringerte sich im Vergleich zum Vorjahresvolumen in etwa auf die Hälfte. Zusätzlich geschwächt wurde der Markt zum Jahresende hin durch die weitere Verschlechterung der Finanzierungsmöglichkeiten im Rahmen des staatlichen FINAME-Programms.

Ein eher gemischtes Bild gaben die aus Sicht von Daimler wichtigsten asiatischen Märkte ab. Der japanische Markt für leichte, mittlere und schwere Lkw behauptete sich trotz geringer konjunktureller Dynamik auf dem soliden Vorjahresniveau. Indonesien war hingegen durch die Wachstumsabschwächung in China und rückläufige Rohstoffpreise beeinträchtigt, was sich auf dem Lkw-Gesamtmarkt mit einem Rückgang von 32 % bemerkbar machte. Erfreulicher entwickelte sich die Nachfrage in Indien: Dort legte der Markt für mittlere und schwere Lkw um etwa 10 % zu.

Mit einem Minus von mehr als 40 % war die Lkw-Nachfrage in Russland aufgrund der dortigen Rezession stark rückläufig. Und auch der weltweit größte Lkw-Markt China verzeichnete starke Einbußen von nahezu 30 %.

Die Transporternachfrage in Westeuropa legte im Jahr 2015 weiter zu. Dabei erhöhte sich das Marktvolumen für mittelgroße und große Transporter um 11 % und bei den kleinen Transportern um 8 %. Insbesondere in den süd­europäischen Ländern haben sich die Märkte deutlich erholt, und auch in Deutschland war ein merklicher Zuwachs zu verzeichnen. In den USA hat sich der Markt für große Transporter mit einem Plus von 14 % weiterhin sehr positiv entwickelt. Dagegen war in China in dem von uns adressierten Marktsegment ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Aufgrund der ungünstigen Rahmenbedingungen war der Markt für große Transporter in Lateinamerika ebenfalls stark rückläufig.

Bei den Bussen hat der westeuropäische Markt das schwache Vorjahresniveau deutlich übertroffen. Positive Impulse kamen vor allem aus dem Reisebussegment, das vom wachsenden Fernliniengeschäft in Deutschland profitierte. In Osteuropa lag die Nachfrage auf dem Vorjahresniveau. Stützend wirkte dabei das wachsende Reisebussegment in der Türkei. Bedingt durch die schwierige wirtschaftliche und politische Lage in Lateinamerika haben sich die Marktbedingungen dort deutlich verschlechtert. Allein in Brasilien ging der Markt gegenüber dem Vorjahr um 40 % zurück.

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